Rheumatherapie abseits von Medikamenten


Entgegen der landläufigen Meinung ist Rheuma keine Frage des Alters. Auch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene können an rheumatischen Erkrankungen leiden. Umso wichtiger ist eine frühzeitige Diagnose und Therapie. Mit Rheuma bzw. dem rheumatischen Formenkreis werden mehr als 400 Krankheitsbilder des menschlichen Bewegungs- und Stützapparates bezeichnet, die in Ursache, Symptomatik und Verlauf sehr unterschiedlich sein können. Meistens leiden die Betroffenen an ziehenden Schmerzen in Muskeln, Knochen, Sehnen oder Gelenken.

Allerdings ist nicht immer nur der Bewegungsapparat beeinträchtigt, auch innere Organe können von rheumatischen Erkrankungen betroffen sein. Neben Physio- und Ergotherapie kommen, je nach Erkrankungsgrad, teilweise starke Medikamente zum Einsatz, z.B. Cortison und Schmerzmittel. Diese können unangenehme Nebenwirkungen verursachen, besonders bei einer langfristigen Einnahme. Dabei kann die schulmedizinische Therapie durchaus mit alternativen Heilmethoden unterstützt werden, um das Wohlbefinden ohne Nebenwirkungen zu steigern.

Rheumatherapie durch Wasseranwendungen

Die Hydrotherapie zählt zu den klassischen alternativen Heilmethoden bei rheumatischen Erkrankungen. Es bieten sich vor allem eine Behandlung mit schwefel- bzw. radonhaltigem Wasser oder Thermalbäder an. Aber auch warme und kalte Waschungen oder Wickel können akute und chronische Rheumabeschwerden lindern. Bei einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung im Anfangsstadium hilft oftmals die Behandlung mit Wärme durch Vollbäder oder warme Wickel. Im fortgeschrittenen Stadium sollte allerdings vorwiegend mit Kälte behandelt werden, um die Entzündungen zu mildern, beispielsweise mithilfe kalter Wickel oder Packungen. Die Hydrotherapie hat eine lange Tradition und wurde bereits im alten Rom und von den Griechen zur medizinischen Therapie angewendet.

Durch Ernährungsumstellung die Rheumatherapie unterstützen

Die richtige Ernährung spielt für die Gesundheit im Allgemeinen eine große Rolle. Das gilt ebenso für Rheumakranke. Eine gesunde, ausgewogene und speziell abgestimmte Ernährung kann vor allem bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie beispielsweise Gicht oder Arthritis eine lindernde Wirkung haben. Speziell bei Übergewicht ist eine Reduktion durch Ernährungsumstellung sinnvoll, um die ohnehin schon geschädigten Gelenke zu entlasten.

Als besonders entzündungsfördernd gilt die in tierischen Nahrungsmitteln enthaltene Arachidonsäure, aus der im Körper sogenannte Entzündungsfaktoren gebildet werden. Deshalb sollten Rheumapatienten weitgehend auf Fleisch- und Wurstwaren, Milch und Milchprodukte sowie Eier verzichten. Positiv wirken hingegen die mehrfach ungesättigten Fettsäuren, z.B. die in vielen Fischsorten enthaltenen Omega-3-Fettsäuren und die in pflanzlichen Fetten enthaltene alpha-Linolensäure. Sie helfen, die Arachidonsäure aus dem Organismus zu verdrängen und somit die rheumatischen Entzündungen zu lindern.

Des Weiteren sollte die Nahrung durch Vitamine und Spurenelemente ergänzt werden. Besonders wichtig sind Antioxidantien wie Selen oder die Vitamine A, C und E. Sie reduzieren die körpereigene Produktion von Entzündungsfaktoren und können somit rheumatische Symptome verringern.

Rheumatherapie durch Heilfasten

Eine Heilfastenkur kann unter Umständen ebenfalls eine Verbesserung der Krankheitssymptome herbeiführen. Die positive Wirkung entsteht vermutlich vor allem dadurch, dass dem Körper keine Arachidonsäure mehr durch Nahrungsmittel zugeführt wird. Allerdings sollte eine Heilfastenkur nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden, da Rheumapatienten oftmals einen Mangel an Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen haben. Außerdem kann das Fasten die Wirkung der Medikamente beeinflussen, sodass unter Umständen die Dosis während der Heilfastenkur verändert werden muss. Bereits untergewichtige oder sehr schlanke Rheumapatienten sollten jedoch ganz auf Heilfastenkuren verzichten.

Bei einer Schrothkur wird hingegen nicht gänzlich auf feste Nahrung verzichtet, sondern der Organismus und die Verdauung durch eine kalorienarme, eiweiß- und fettfreie, basische Nahrung entlastet. Ein Nährstoffmangel wird durch ausreichende Obst- und Gemüsemahlzeiten verhindert. Außerdem sind ein Ruhe- und Bewegungsprogramm sowie die Schrothschen Packungen wichtiger Bestandteil der Kur. Der Körper wird dabei in ein feuchtes Leinentuch gewickelt und anschließend mit trockenen, wärmenden Packbetten und Wärmflaschen zugedeckt. Dies steigert die Körpertemperatur und hat somit eine schmerzlindernde Wirkung. Allerdings sollte auch eine Schrothkur nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt und unter Anleitung von fachlich geschultem Personal durchgeführt werden.

Mit Akupunktur, Phytotherapie und Homöopathie die Rheumatherapie ergänzen

Die Akupunktur ist eine bewährte alternative Heilmethode in der Schmerztherapie. Dabei können die Akupunkturpunkte des Körpers auf drei Arten stimuliert werden:

• durch das Einstechen von dünnen Nadeln
• durch Erwärmung (Moxibustion)
• durch Massage (Akupressur)

Akupunktur kann bei bestimmten einzelnen rheumatischen Erkrankungen die Schmerzen lindern. Verschiedene Studien zeigten, dass sie besonders bei Arthrose Schmerzen deutlich reduzieren und die Lebensqualität wieder steigern kann.

Die Phytotherapie ist die Behandlung von Krankheiten mit Hilfe von Heilpflanzen. In der Rheumatherapie können pflanzliche Präparate zusätzlich zu den regulären Rheumamedikamenten eingenommen werden. Bei bestimmten rheumatischen Erkrankungen können z.B. die Wirkstoffe aus Teufelskralle, Birke, Weihrauch, Weidenrinde oder auch Brennnessel den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und Beschwerden mildern.

Auch die Homöopathie kann zusätzlich zur Basistherapie bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises angewendet werden. Das Prinzip ist, die Selbstheilungskräfte des Körpers durch die Einnahme von stark verdünnten Pflanzenheilstoffen zu unterstützen.

Eine sinnvolle Kombination ist die beste Rheumatherapie

Hydrotherapie, Ernährungsumstellung oder auch andere alternative Heilmethoden sind eine sinnvolle Ergänzung der medikamentösen und physiotherapeutischen Basistherapie. Aufgrund der Vielzahl der rheumatischen Erkrankungen ist eine individuelle Diagnose jedoch immer erforderlich, um ein bestmögliches Heilergebnis zu erzielen. Die oben genannten alternativen Heilmethoden sollten außerdem immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt angewendet werden.

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7 Kommentare bisher.

  1. Martin sagt:

    Ein wirklich sehr interessanter und informativer Artikel!
    Ein guter Arbeitskollege von mir leidet ebenfalls unter Rheuma. Nun gibt es da wohl verschiedenste Medikamente mit starken Nebenwirkungen die er wohl irgendwie nicht mehr gut vertragen hat. Mittlerweile arbeitet er mit Medikamenten auf pflanzlicher Basis. Laut seiner Aussage, ist es aber Tai-Chi was ihm scheinbar sehr gut tut!
    Durch diesen Sport sind seine Gelenke in einem wesentlich besseren Zustand.

    Das mit den Wasseranwendungen war mir übrigens neu

    LG Martin

  2. Gelenkgesund sagt:

    Eine schöne Überblicks-Zusammenfassung. Was mich immer wieder erstaunt, ist, wie wenige Patient(inn)en nach ihrem Gang zum Rheumatologen sich nicht auch noch mit alternativen Heilmethoden befassen, sondern brav ihre Basismedikation „schlucken“, trotz oft widrigster Nebenwirkungen.

  3. Martin sagt:

    @Gelenkgesund: Das will mir auch nicht so recht einleuchten. Schön brav die Medizin schlucken. Wie du schon sagt. Ich verstehe es einfach nicht 🙁

  4. Stefanie sagt:

    Ich denke ihr habt da beide nicht ganz unrecht. Schauen wir doch einfach mal, wo das ganze noch enden wird. LG Stefanie

  5. Heinrichs sagt:

    Ich gebe euch beiden Recht. Die Leute bleiben echt bis zur letzten Minute bei der Schulmedizin, auch wenn sie schon zig mal falsche Sachen verschrieben bekommen haben und sich das ganze über Jahr hinzieht. Aber nein die Schulmedizin ist ja der heilige Gral. Natürlich in vielen Bereich ist sie eindeutig erfolgsversprechen. In anderen ist sie aber auch nicht der Weisheit letzter Schluß.

    Gruß
    H. Anja

  6. Gelenkgesund sagt:

    Hallo an alle, die hier geantwortet haben. Die meisten Nebenwirkungen stehen ja wenigstens auf dem Beipackzettel, denn hier geht es um die Wirkung des einen Medikamentes selbst. Was schon nur noch für die Haupt-Kombinatonen im Beipackzettel steht, sind wenige Wechselwirkungen. Umfangreichere Kombinationen oder solche mit seltener gemeinsam verordneten Medikamenten stehen jedenfalls nicht mehr drinne, denn das wäre n! („n Fakultät“) und somit potentiell unendlich.

  7. Heinrich Hemmer sagt:

    Ich bin erst jetzt auf diesen interessanten Artikel gestoßen und ich kann nur dick unterschreiben, dass Ernährung eine äußerst wichtige Rolle bei Rheuma (und auch Arthritis) spielt!
    Gewichtsreduzierung wird ja überall als sinnvoll empfohlen, leider aber auch mit dem Hinweis, am besten Fett einzusparen. Doch das ist bei beiden Krankheitsformen überhaupt nicht zu empfehlen! Bitte unbedingt lesen: „Fett!“ von Ulrike Gonder! Seit ich mich mit mehr gesunden Fettsäuren ernähre und meine Kohlenhydrataufnahme reduziert habe, geht es mir deutlich besser – MTX brauche ich nicht mehr!
    Zusätzlich habe ich – Internet sei Dank – mit Chondroitin angefangen, vgl. den interessanten Artikel von Sven-David Müller
    Ich bin wirklich ein neuer Mensch, meine Gelenke streiken nur noch bei Wetterwechsel und Ernährungssünden…

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