Fit Reisen Group appelliert: Neues Gutschein-Gesetz belastet Reiseveranstalter mit weiteren 250 Millionen Euro

„Wann beginnt die Bundesregierung damit,
Reiseveranstalter wirklich zu unterstützen?“

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Frankfurt, 30. Juni 2020. Die Tourismus-Branche ist von den Corona-Auswirkungen zweifelsfrei mit am stärksten betroffenen. Viele Reisen mussten abgesagt werden oder sind noch nicht möglich. Des Weiteren wird die Buchungszurückhaltung bei Kunden wohl noch länger andauern. Mit großzügigen Gutscheinregelungen versuchen Veranstalter derweil die Treue ihrer Kunden zu halten. Das derzeit verabschiedete Gutschein-Gesetz kommt nun als zusätzliche Belastung hinzu: Dann müssen alle bereits mit Zustimmung des Kunden ausgegeben Gutscheine wieder gewandelt, und viele davon Ende 2021 ausgezahlt werden. Im Anschluss folgen hohe Werbe-Ausgaben an Online-Plattformen wie Google und Facebook sowie Fach- und Publikumspresse, um die Aufmerksamkeit auf Urlaubsangebote zu richten. Nach Rechnung der Fit Reisen Group wird die Branche durch die neue Gutschein-Regelung mit insgesamt weiteren 250 Millionen Euro belastet werden, anstatt das dieser wirklich geholfen wird.

Bundesbürger, die während der Corona-Krise bereits einem Gutschein für ihre geplatzte Reise fest zugestimmt hatten, sollen sich diesen nach dem aktuellen Gesetzesentwurf der Bundesregierung nachträglich trotz vorheriger rechtskräftiger Zustimmung Ende 2021 auszahlen lassen können. „Damit schadet uns das Gesetz massiv, anstatt zu helfen“, meint Dr. Nils Asmussen, Geschäftsführer der Fit Reisen Group. „Statt wie geplant die Reiseveranstalter zu unterstützen, bewirkt das aktuell diskutierte Gutschein-Gesetz leider genau das Gegenteil und sorgt laut unserer Rechnung für eine zusätzliche Belastung von circa 250 Millionen Euro. Dies liegt vor allem an der kurzen Laufzeit bis Ende 2021 und der Rückwirkung. Wir wollen abgesicherte Gutscheine, doch die Kombination aus rückwirkendem Wandlungsrecht und kurzer Laufzeit wird Reiseveranstalter stark belasten – insbesondere die vielen Anbieter mit Fokus auf Asien, Südamerika und Afrika, da Fernreisen wohl noch lange nicht möglich sein werden.“

Die Fit Reisen Group mit Hauptsitz in Frankfurt am Main fühlt, dass diese negative Wirkung in der aktuellen Debatte nicht genügend Berücksichtigung findet und zeigt die Effekte auf. „Uns scheint es, als wolle die Regierung den Reiseveranstaltern helfen, doch in der konkreten Ausgestaltung funktioniert dies ganz und gar nicht“, erklärt Dr. Nils Asmussen.

81 Prozent der Reisen bereits abgesagt – negative Folgen durch Rückwirkung

Durch die bis heute bereits ausgesprochenen Reisewarnungen sind allein beim Veranstalter Fit Reisen knapp 81 Prozent der Reisen abgesagt worden, die Kunden vor dem 08. März gebucht hatten – ein Reisewert von über 12 Millionen Euro. Mit viel Einsatz und 10 Prozent Gutschein-Bonus im Wert von circa 200.000 Euro habe das Fit Reisen-Team 45 Prozent der Reisen mit expliziter Zustimmung des jeweiligen Kunden in einen Gutschein gewandelt. Dies entspricht einem Reisewert von 5,4 Millionen Euro.

„Durch die neue Gutscheinregelung gehen wir davon aus, dass circa 60 Prozent der mit sehr viel Aufwand erreichten rechtskräftigen Gutschein-Vereinbarungen doch noch Ende 2021 zurückgezahlt werden müssen. Das neue Gesetz hat für uns somit direkte Folgekosten von 3,2 Millionen Euro weniger Umsatz. Das rückwirkende Wandlungsrecht von fest vereinbarten Gutscheinen in eine Barauszahlung wird unseren corona-bedingten Verlust um 0,7 Millionen vergrößern“, zeigt Dr. Nils Asmussen auf.

Gesetz hilft nur bei circa drei Prozent der Reisen

Lediglich 19 Prozent der vor dem 08. März gebuchten Reisen sind von den bisher ausgesprochenen Reise-warnungen nicht betroffen. Diese 19 Prozent teilen sich nach aktuellen Schätzungen wie folgt auf: 50 Prozent der Buchungen können planmäßig durchgeführt werden; das Gutschein-Gesetz hat hier keinen Effekt. Die noch übrigen 50 Prozent werden in Folge noch kommender Reisewarnungen abgesagt werden müssen. „Hier hilft das neue Gesetz, da Gutscheine für Pauschalreisen nun zu 100 Prozent staatlich abgesichert sind. Da viele Kunden mittlerweile ihr Geld zusammenhalten, werden aber wahrscheinlich nur 15 Prozent dieser Kunden einen Gutschein wählen; die übrigen Verbraucher werden eine direkte Auszahlung wünschen. Der positive Effekt des Gesetzes betrifft somit nur sehr wenige Reisen – genaugenommen nur drei Prozent. Wer hatte denn auch schon im Februar seinen September- oder gar Herbsturlaub gebucht und möchte nun einen Gutschein?“, erklärt Dr. Nils Asmussen.

Quelle: Fit Reisen Group

Zusätzlicher Aufwand für Wandlung der Gutscheine belastet Veranstalter

In der von Fit Reisen aufgestellten Rechnung noch nicht berücksichtigt ist der Mehraufwand für die Wandlung der Gutscheine: „Dadurch, dass Reiseveranstalter, wie von der Politik gewünscht, vielen Kunden noch einen Bonus von bis zu zehn Prozent auf ihren Reisegutschein geschenkt haben, muss dieser Betrag nun wieder vom abgesicherten Gutscheinteil getrennt werden. Insbesondere bei kleineren Veranstaltern gibt es für diesen Vorgang keine Systeme. Also müssen alle Gutscheine manuell geprüft und dann in einen abgesicherten Gutschein und in einen nicht abgesicherten Bonus-Gutschein geteilt werden – ein erhöhter Arbeitsaufwand, mit dem wir an unsere Grenzen stoßen“, ergänzt der Fit Reisen-Group-Geschäftsführer Jan Seifried.

Erwartung bei Gesetzgebung: Branche erleidet zusätzliche 250 Millionen Euro Verlust

Laut aktuellen Prognosen ist mit einem Corona-Impfstoff frühestens im ersten Halbjahr 2021 zu rechnen. Da bei der Einführung nicht sofort alle Menschen weltweit einen Impfstoff erhalten, kann davon ausgegangen werden, dass die Relevant für Fernreisen erst im Jahr 2022 steigen wird. Die neue Gutschein-Regelung sieht jedoch eine Zurückzahlung von Gutscheinen Ende 2021 vor. „Durch die Klausel des rückwirkenden Umtauschrechts in Kombination mit der kurzen Laufzeit kommen allein auf uns 700.000 Euro zusätzlicher Verlust zu. Auf alle Veranstalter hoch gerechnet wird dieses Gesetz in der aktuell geplanten Variante die Fehlbeträge um schätzungsweise 250 Millionen Euro ausweiten“, prognostiziert die Fit Reisen Group.

Fit Reisen Group-Forderung: „Der Bund muss nun endlich wirklich helfen“

Im Gegensatz zur aktuellen Situation der Hotellerie in Deutschland, sind fast alle Reiseveranstalter und Reisebüros von internationalen und interkontinentalen Urlaubsbuchungen abhängig. Viele Reisen werden erst ab 2022 wieder in großem Umfang gebucht werden – eine extreme Belastungsprobe für den Tourismus.

„Leider kann man das aktuelle Gutschein-Gesetz als Verbraucher-Geschenk zu Lasten der Reiseveranstalter beschreiben. Dieser zusätzlichen Last sollte sich die Bundesregierung, die Ministerien, der Bundestag und der Bundesrat bewusst sein. „Wann beginnt die Bundesregierung damit, Reiseveranstalter wirklich zu unterstützen? Allen Ankündigungen zum Trotz ist bisher keine signifikante Hilfe bei den Reiseveranstaltern angekommen. Dabei haben Fluggesellschaften, Reiseveranstalter und Reisebüros viel stärkere Einbußen als die Automobilindustrie, welche mit großen Zuschüssen versehen wird“, appelliert Dr. Nils Asmussen.

Quelle: Fit Reisen Group