Trinkwasserbrunnen im Städtevergleich
Wo Deutschlands Großstädte am dichtesten sprudeln
Ein Sommer wie dieser macht deutlich, wie sehr sich der Alltag in deutschen Städten verändert hat. Hitzeperioden ziehen sich inzwischen über viele Wochen, Asphalt und Fassaden speichern die Wärme bis tief in die Nacht, und wer ohne Wasserflasche unterwegs ist, merkt das schnell. Genau hier setzen öffentliche Trinkwasserbrunnen an: Sie kosten nichts, sie sparen Plastikmüll, und sie sind oft der einzige Ort, an dem sich Kinder, RadfahrerInnen oder ältere Menschen unterwegs erfrischen können. Was in südeuropäischen Städten seit Jahrhunderten selbstverständlich ist, wird auch hierzulande zur kommunalen Aufgabe. Ganz vorne steht Deutschland dabei nicht. Laut einer internationalen Auswertung von QS Supplies zählen Schweizer Städte wie Zürich und Basel zu den weltweit bestversorgten, wenn es um öffentliche Trinkbrunnen geht.
Doch wie gut sind deutsche Großstädte tatsächlich mit solchen Brunnen ausgestattet? Der Gesundheits- und Wellnessreiseveranstalter Fit Reisen ist dieser Frage nachgegangen und hat 1.170 öffentliche Trinkwasserbrunnen in 70 deutschen Großstädten erfasst und ins Verhältnis zur jeweiligen Stadtfläche gesetzt. Grundlage der Auswertung waren die offiziellen Angaben der Städte, Stadtwerke und Wasserbetriebe sowie öffentlich zugängliche Geoportale und Pressemitteilungen. Gezählt wurden ausschließlich frei und kostenlos zugängliche Trinkwasserbrunnen, reine Zierbrunnen ohne Trinkwasserqualität blieben außen vor. Um die Städte trotz unterschiedlicher Größe vergleichbar zu machen, wurde die Brunnenzahl auf 10 Quadratkilometer Stadtfläche bezogen.
Key Findings
- Stuttgart ist Deutschlands Trinkbrunnen-Hauptstadt: 117 Brunnen auf 207 Quadratkilometern ergeben 5,643 je 10 Quadratkilometer, gut sechsmal so viel wie der Durchschnitt aller 70 untersuchten Städte von 0,927.
- Faktor 128 zwischen Platz 1 und Platz 70: Stuttgarts Brunnendichte übertrifft die von Hamm um das 128-Fache, dort steht auf 227 Quadratkilometern nur ein einziger Trinkbrunnen.
- Drei Städte stellen 41 Prozent aller Brunnen: Berlin, Stuttgart und München bringen zusammen 481 der insgesamt 1.170 erfassten Trinkwasserbrunnen auf die Waage.
- Der Süden liegt klar vorn: Baden-Württemberg und Bayern kommen gemeinsam auf 1,996 Brunnen je 10 Quadratkilometer, der Rest der Republik nur auf 0,703. Baden-Württemberg führt die Länderwertung an, Nordrhein-Westfalen fällt trotz 26 vertretener Großstädte mit 0,501 je 10 Quadratkilometer deutlich zurück.
- Bayerische Mittelstädte mischen vorne mit: Fürth, Augsburg und Nürnberg landen unter den Top 8 und lassen Hamburg und Köln weit hinter sich.
Die zehn Städte mit der höchsten Trinkbrunnen-Dichte
Platz 1: Stuttgart, Baden-Württemberg
Uneinholbar liegt die Landeshauptstadt Baden-Württembergs mit 117 Trinkbrunnen und damit 5,643 Trinkwasserbrunnen je 10 Quadratkilometer auf Platz eins. Laut Stadtverwaltung betreibt Stuttgart aktuell diese 117 öffentlichen Trinkbrunnen, dazu kommen 13 Heil- und Mineralbrunnen. Rund 300 weitere Brunnenanlagen und Wasserspiele der Stadt dienen dagegen rein der Zierde und liefern kein Trinkwasser. Einen besonderen Neuzugang gibt es am Schlossplatz: Der Kanzleibogenbrunnen aus dem Jahr 1787 lag mehr als 20 Jahre trocken, bevor er 2025 saniert wurde und seither wieder geprüftes Trinkwasser liefert. Auch der Marktbrunnen vor dem Rathaus blickt auf eine lange Geschichte zurück, seine Ursprünge reichen bis 1714 zurück, und er gilt als eines der wertvollsten Zeugnisse württembergischer Eisengusskunst. Um solche historischen Anlagen zu erhalten, sammelt die Stiftung Stuttgarter Brünnele bis heute Spenden.
Platz 2: München, Bayern
Mit 114 Brunnen und 3,669 je 10 Quadratkilometer folgt die bayerische Landeshauptstadt auf Platz zwei. Die Stadt baut ihr Netz derzeit weiter aus: Bis zum Ende der Brunnensaison 2026 sollen rund 115 ausgewiesene Wasserstellen erreicht sein, verteilt auf stark besuchte Plätze, Grünanlagen und die Außenfassaden öffentlicher Toilettenanlagen. Für eine schnelle Erfrischung empfiehlt die Stadt auf ihrer offiziellen Seite besonders den Stachus-Brunnen, die Fontänen am Sendlinger-Tor-Platz, den Rindermarkt-Brunnen und den Wasserglockenbrunnen am Frauenplatz. Auch der Fischbrunnen am Marienplatz, jahrzehntelang ein reiner Blickfang, soll im Spätsommer 2026 mit neuer Steuerungstechnik wieder in Betrieb gehen. Kontrolliert und zweimal wöchentlich gereinigt werden die Anlagen vom Baureferat, das die Wasserqualität engmaschig überwacht.
Platz 3: Berlin, Berlin
Mit 250 Brunnen stellt die Hauptstadt die mit Abstand größte Zahl an Trinkbrunnen im Feld, bezogen auf die riesige Stadtfläche von 891 Quadratkilometern reicht das aber nur für 2,805 je 10 Quadratkilometer und Platz drei. Die Berliner Wasserbetriebe errichten laut eigener Aussage seit rund 30 Jahren Trinkbrunnen in der Stadt, aktuell gibt es drei verschiedene Bauformen, darunter die als Botsch-Brunnen und Kaiser-Brunnen bekannten Modelle. Bekannte Standorte finden sich unter anderem am Kurfürstendamm, an der Leipziger Straße, an der Weserstraße und direkt vor dem S-Bahnhof Köpenick. Wer durchreist und keine Flasche dabei hat, kommt in Berlin damit an vielen zentralen Punkten der Stadt vorbei an kostenlosem Wasser.
Platz 4: Freiburg im Breisgau, Baden-Württemberg
39 Brunnen und 2,548 je 10 Quadratkilometer bringen Freiburg auf Platz vier. Die Stadt ist ohnehin für ihren besonderen Umgang mit Wasser bekannt: Die berühmten Bächle durchziehen seit dem 12. Jahrhundert die Altstadt und dienten ursprünglich der Versorgung mit Brauch- und Löschwasser, Trinkwasser liefern sie allerdings nicht. Die eigentlichen Trinkwasserbrunnen gehen auf den Beitritt Freiburgs zur internationalen Initiative Blue Community zurück, die sich weltweit für den Schutz von Wasser als öffentliches Gut einsetzt. Seither weist die Stadt gezielt historische Brunnen in der Altstadt als Trinkwasserquellen aus und baut das Angebot kontinuierlich in verschiedenen Stadtteilen weiter aus.
Platz 5: Karlsruhe, Baden-Württemberg
Mit 36 Brunnen und 2,076 je 10 Quadratkilometer sichert sich Karlsruhe Rang fünf. Wahrzeichen der Karlsruher Brunnenkultur ist der Großherzog-Ludwig-Brunnen auf dem Marktplatz, der bereits 1824 mit der Eröffnung der Residenzwasserleitung eingeweiht wurde. Die Statue des Großherzogs kam erst 1833 hinzu, bis heute sprudelt aus den vier Rohren am Beckenrand bestes Trinkwasser. Auf dem Gutenbergplatz ergänzt der Pelikanbrunnen das Netz, das die Stadt laufend erweitert. Insgesamt stehen den BürgerInnen und Gästen damit 36 städtische Trinkwasserbrunnen zur Verfügung, womit sich Karlsruhe im bundesweiten Vergleich gut aufgestellt sieht.
Platz 6: Fürth, Bayern
Mit nur 11 Brunnen, aber 1,736 je 10 Quadratkilometer schafft es die mittelfränkische Stadt auf Platz sechs und lässt damit deutlich größere Metropolen hinter sich. Betrieben werden die Anlagen vom kommunalen Versorger infra fürth. Zu den bekanntesten zählt der Paradiesbrunnen in der Dr.-Max-Grundig-Anlage, der seit 1995 auf der sogenannten Kleinen Freiheit steht, sowie der Jugendbrunnen am Dr.-Henry-Kissinger-Platz, eingerahmt von zwei Linden vor der ehemaligen Feuerwache. Die sechs als "Durstlöscher" bezeichneten Trinkwasserspender der Stadt stehen unter anderem am Hallplatz, am Stresemannplatz und am Kaiserplatz und spülen sich selbst.
Platz 7: Augsburg, Bayern
25 Brunnen und 1,702 je 10 Quadratkilometer bringen die drittgrößte Stadt Bayerns auf Platz sieben. Augsburg kann dabei auf eine besonders lange Wassertradition zurückblicken: Die städtische Wasserwirtschaft ist seit dem Mittelalter dokumentiert, bereits 1545 führte die Stadt die strikte Trennung von Trink- und Brauchwasser ein, ein Grund dafür, dass das historische Augsburger Wassermanagementsystem heute zum UNESCO-Welterbe zählt. Viele der heutigen Trinkwasserbrunnen sind gusseiserne Anlagen aus der Zeit um 1900, etwa im Siebentischpark, im Botanischen Garten, im Wittelsbacher Park und im Gögginger Park. Auch am Holbeinplatz im Lechviertel lässt sich unterwegs ein Schluck Wasser zapfen, mitten zwischen Kanälen und kleinen Cafés.
Platz 8: Nürnberg, Bayern
Mit 30 Brunnen und 1,609 je 10 Quadratkilometer belegt die fränkische Metropole Platz acht. Betrieben werden die Trinkwasserbrunnen von der N-ERGIE im Auftrag der Stadt. Erst kürzlich wurde der Yoshimi-Hashimoto-Brunnen auf dem Hauptmarkt umgerüstet: Der 1984 aufgestellte Kunstbrunnen diente bislang ausschließlich den Markthändlern, seit seiner Umgestaltung sprudelt er aus drei Wasserhähnen nun auch für die Öffentlichkeit. In der Altstadt weisen seit diesem Sommer zudem auffällige blaue Schilder mit Wasserhahn und Trinkglas auf die insgesamt fünf dortigen Trinkbrunnen hin, am Lorenzer Platz, am Hallplatz, in der Karolinengasse, am Ludwigsplatz und eben auf dem Hauptmarkt.
Platz 9: Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen
32 Brunnen und 1,472 je 10 Quadratkilometer reichen für Platz neun. Das Trinkbrunnennetz der Landeshauptstadt wächst rasant: 2020 gab es gerade einmal acht Standorte, mittlerweile sind es 32, und die Stadt strebt langfristig einen Ausbau auf 60 Brunnen an. Zwei davon entstanden bei der Neugestaltung der Einkaufsstraße Schadowstraße, ein weiterer wichtiger Standort ergänzt das Netz am Barbarossaplatz. Entlang des Rheins, etwa vor den Wasserwerken Flehe und Am Staad, ergänzen zusätzliche Spender mit gedrosseltem Durchfluss das Angebot. Neue Brunnen werden jeweils von der Bezirksbürgermeisterin oder dem Bezirksbürgermeister des betreffenden Stadtbezirks offiziell eingeweiht.
Platz 10: Leipzig, Sachsen
Den Abschluss der Top 10 bildet Leipzig mit 36 Brunnen, davon vier mobil, und 1,209 je 10 Quadratkilometer. Besonders ist hier die BürgerInnenbeteiligung: Die Leipziger Wasserwerke lassen jedes Jahr zwei neue Standorte per Online-Abstimmung wählen, zuletzt fiel die Wahl auf den Skatepark am Heizhaus Grünau und den Neustädter Markt an der Kreuzkirche, in den Vorjahren setzten sich der Mariannenpark und der Nordstrand des Cospudener Sees durch. Ergänzt wird das feste Netz durch vier mobile Riesenbrunnen, liebevoll "Brunnos" genannt, die über die Saison an verschiedenen Standorten Station machen. Der größte von ihnen misst drei Meter und zog zuletzt vom Wilhelm-Leuschner-Platz auf den Augustusplatz um.
Gesamtranking des Trinkwasserbrunnen-Städtevergleichs
Gesamtliste Verteilung der Trinkwasserbrunnen in Deutschlands Städten
Bundesländer im Vergleich: Der Süden liegt deutlich vorn
Im Ländervergleich hält Baden-Württemberg die Spitzenposition, sowohl bei der Brunnendichte als auch bei der Versorgung pro Kopf. Nordrhein-Westfalen dagegen stellt zwar mehr als ein Drittel aller untersuchten Großstädte, fällt bei der Brunnendichte aber deutlich unter den Bundesschnitt zurück. Ostdeutschland liegt im Gesamtbild knapp vor dem Westen, allerdings nur dank Berlin: Ohne die Hauptstadt landen Brandenburg und Sachsen-Anhalt auf den letzten Plätzen der Länderwertung. Am deutlichsten zeigt sich das Süd-Nord-Gefälle im direkten Vergleich, denn Baden-Württemberg und Bayern kommen gemeinsam auf fast dreimal so viele Brunnen je Fläche wie der Rest der Republik.
Im europäischen Vergleich: Zürich, Basel und Genf zeigen, wie es geht
Im internationalen Vergleich wird deutlich, wie viel Luft nach oben deutsche Großstädte noch haben. Laut einer Auswertung von QS Supplies auf Basis von OpenStreetMap-Daten führt Zürich mit 221 Trinkbrunnen je 100.000 Einwohner die Liste der Städte weltweit an, dicht gefolgt von Basel mit 177. Auch Genf schafft es mit rund 86 Brunnen je 100.000 Einwohner unter die zehn bestplatzierten Städte weltweit. Die Schweiz und Österreich gelten der Studie zufolge generell als Vorreiter, wenn es um öffentliche Trinkbrunnen im Freien geht.
Methodik
Für das Trinkwasserbrunnen-Ranking hat Fit Reisen 1.170 öffentliche Trinkwasserbrunnen in 70 deutschen Großstädten ausgewertet. Datenbasis sind die offiziellen Angaben der Städte, Stadtwerke und Wasserbetriebe sowie öffentlich zugängliche Geoportale und städtische Pressemitteilungen. Alle Angaben beruhen auf den zu diesem Zeitpunkt veröffentlichten Zahlen der jeweiligen Städte und Wasserversorger. Ausgangspunkt war die Liste der Großstädte in Deutschland nach dem Einwohnerstand 2025, aus der alle Städte mit belastbarer Datenlage übernommen wurden. Berücksichtigt wurden ausschließlich frei und kostenlos zugängliche Trinkwasserbrunnen im öffentlichen Raum, einschließlich mobiler Trinkbrunnen, sofern die Stadt sie selbst als solche ausweist. Nicht einbezogen wurden reine Zierbrunnen ohne Trinkwasserqualität, Refill-Stationen in Geschäften und Betrieben, Brunnen auf nicht öffentlich zugänglichem Gelände sowie Anlagen, die dauerhaft außer Betrieb sind. Städte, deren letzter dokumentierter Datenstand älter als 2022 ist oder für die sich kein nachvollziehbares Erhebungsdatum finden ließ, wurden aussortiert, ebenso Städte, für die keine öffentlichen Trinkwasserbrunnen belegt sind. Für das Ranking wurde die Anzahl der Brunnen auf die Stadtfläche bezogen und als Brunnen je 10 Quadratkilometer ausgewiesen, gerundet auf drei Nachkommastellen. Stand der Erhebung ist der 11. August 2026.
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