Ranking der dunkelsten Städte Deutschlands
Flensburg bekommt im Winter am wenigsten Sonne, Kempten fast doppelt so viel
Seit der Zeitumstellung werden die Tage spürbar kürzer. Der Feierabend beginnt vielerorts bereits in der Dämmerung, und morgens liegt häufig ein blasses Grau über den Dächern. Das kann auf die Stimmung drücken und den Schlaf-Wach-Rhythmus durcheinanderbringen. Auch die Versorgung mit Vitamin D hängt von der Jahreszeit ab. Denn von Oktober bis März reicht die UV-B-Strahlung in Deutschland in der Regel nicht aus, um den Bedarf allein durch die körpereigene Bildung in der Haut zu decken. Wie viel Licht im Winter tatsächlich ankommt, unterscheidet sich innerhalb Deutschlands allerdings erheblich. Wo ist der Winter also besonders grau, und welche Städte bekommen vergleichsweise viel Sonne ab?
Um dieser Frage nachzugehen, hat Fit Reisen die Lichtverhältnisse in den 200 größten Groß- und Mittelstädten Deutschlands in den Herbst- und Wintermonaten Oktober bis Februar untersucht. Grundlage sind vor allem Daten des Deutschen Wetterdienstes aus den vergangenen zehn Wintern. In die Auswertung flossen vier Faktoren ein: die durchschnittliche Zahl der Sonnenstunden, die Globalstrahlung als Maß für die am Boden ankommende Sonnenenergie, die Tageslichtdauer sowie die Zahl der Tage, an denen sich die Sonne überhaupt nicht zeigte. Für 178 dieser Städte lagen ausreichend belastbare Messdaten vor. Sie bilden das Ranking.
Key Findings
- Flensburg ist die dunkelste Stadt Deutschlands: Mit 6 von 712 möglichen Punkten landet die Stadt bei Sonnenstunden, Globalstrahlung und Tageslicht jeweils auf dem letzten Platz. Von Oktober bis Februar scheint die Sonne dort im Schnitt 260 Stunden, also rund 1,7 Stunden pro Tag. Im trübsten der zehn Winter kamen insgesamt nur 191 Stunden zusammen.
- Schleswig-Holstein ist das dunkelste Bundesland: Alle sechs ausgewerteten Städte des Landes liegen unter den neun dunkelsten Deutschlands. Neben Flensburg, Kiel, Neumünster, Lübeck und Elmshorn gehört auch Norderstedt auf Platz 9 dazu. Im Schnitt erreichen sie nur 33,7 Punkte.
- Kempten ist die hellste Stadt: Mit 703 Punkten und 495 Sonnenstunden ist die Allgäuer Stadt der Gegenpol zum Norden. Selbst im trübsten Winter zählte Kempten 398 Sonnenstunden und damit mehr als Flensburg in seinem sonnigsten (316). Die Globalstrahlung liegt mit 235,04 Kilowattstunden pro Quadratmeter um 92 Prozent über dem Flensburger Wert.
- Der Süden strahlt: Unter den zehn hellsten Städten liegen sieben in Baden-Württemberg und drei in Bayern. Baden-Württemberg ist mit durchschnittlich 620,6 Punkten das hellste Bundesland. Seine 26 Städte kommen im Winter auf 390 Sonnenstunden, die schleswig-holsteinischen auf 286.
- Jeder dritte Wintertag bleibt grau: Im Schnitt zählen die Städte von Oktober bis Februar 50 Tage ohne eine einzige Sonnenminute. Siegen führt diese Statistik mit 67,2 Tagen an, dort bleiben mehr als zwei von fünf Wintertagen ohne Sonne. In Villingen-Schwenningen sind es mit 33,9 Tagen nur halb so viele.
- Hamburg ist die dunkelste Metropole: Unter den Städten mit mehr als 500.000 EinwohnerInnen landet Hamburg auf Platz 10, gefolgt von Hannover (Platz 20) und Bremen (Platz 30). Berlin liegt auf Platz 49, Köln auf Platz 89 und Frankfurt am Main auf Platz 100. Stuttgart und München gehören zu den zehn hellsten Städten des Landes, München ist mit 468 Sonnenstunden die hellste Großstadt.
- Fast eine Stunde mehr Tageslicht im Süden: In Lörrach ist es im Winter im Schnitt 9 Stunden und 33 Minuten am Tag hell, in Flensburg nur 8 Stunden und 45 Minuten. Über die fünf Wintermonate summieren sich die 48 Minuten Unterschied
Auf der Schattenseite: Die fünf dunkelsten Städte Deutschlands
Platz 1: Flensburg, Schleswig-Holstein
Die rote Laterne im Licht-Ranking trägt Flensburg. Die nördlichste Stadt der Auswertung kommt auf 6 von 712 möglichen Punkten und liegt in drei der vier Kategorien auf dem letzten Platz. Von Oktober bis Februar scheint die Sonne im Schnitt nur 260 Stunden, rund 22 Prozent weniger als im Mittel aller untersuchten Städte. Hell ist es an einem Wintertag durchschnittlich 8 Stunden und 45 Minuten, und an 63 Tagen zeigt sich die Sonne überhaupt nicht. Tageslicht lässt sich trotzdem sammeln, am besten am Wasser. Am Ostufer der Förde, etwa am Strand von Solitüde nordöstlichdes Zentrums, reicht die Aussicht weit hinaus. Einen freien Blick über Stadt und Förde gibt es auch vom Museumsberg, der sich hoch über der Stadt am Westufer erhebt. Von oben lassen sich Stadt und Förde überschauen.
Platz 2: Kiel, Schleswig-Holstein
Knapp dahinter folgt die Landeshauptstadt mit 22 Punkten. Kiel kämpft vor allem mit wenig Sonnenenergie. Bei der Globalstrahlung kommt die Stadt im Winter auf nur 128,48 Kilowattstunden pro Quadratmeter, einen geringeren Wert gibt es allein in Flensburg. Auch beim Tageslicht landet sie auf dem vorletzten Rang. Dazu kommen 289 Sonnenstunden und 62,7 Tage ganz ohne Sonne. Das wenige Licht nutzen viele KielerInnen an der Kiellinie. Die Promenade führt direkt an der Förde entlang, nichts verstellt die Sicht aufs Wasser. Wer noch mehr Licht tanken möchte, fährt ganz in den Norden der Stadt. In Schilksee liegt der längste Strand Kiels, von dem der Blick weit über die Förde in Richtung Ostsee geht.
Platz 3: Neumünster, Schleswig-Holstein
Bronze im Dunkel-Ranking geht an Neumünster. Die Stadt sammelt 36 Punkte und zählt im Winter 292 Sonnenstunden. Bei der Globalstrahlung reicht es mit 128,53 Kilowattstunden pro Quadratmeter nur für den drittletzten Wert aller Städte, und an 61,6 Tagen bleibt die Sonne ganz aus. Neumünster liegt in der Mitte Schleswig-Holsteins und ist die einzige kreisfreie Stadt des Landes ohne direkten Zugang zum Meer. Der Einfelder See im Norden der Stadt bietet mit seinem rund acht Kilometer langen Rundweg offene Sicht und viel Himmel, auch der Stadtwald lädt zu einem Spaziergang im Grünen ein. Tageslicht einfangen lässt sich ebenso im Dosenmoor nordöstlich der Stadt. Das größte und am besten erhaltene Hochmoor Schleswig-Holsteins bietet viel Weite und freien Himmel.
Platz 4: Lübeck, Schleswig-Holstein
Lübeck schafft es mit 40 Punkten auf Rang vier. Zwischen Oktober und Februar zählt die Hansestadt im Schnitt 287 Sonnenstunden, im trübsten der zehn Winter waren es nur 201. An 60,8 Tagen vergeht keine einzige Sonnenminute, und hell ist es durchschnittlich 8 Stunden und 52 Minuten am Tag. Am meisten Himmel gibt es an der Küste. Im Seebad Travemünde, wo die Trave in die Ostsee mündet, liegt vor der Strandpromenade das offene Meer. Noch mehr Helligkeit bringt ein Spaziergang hinauf aufs Brodtener Steilufer, das sich rund vier Kilometer an der Küste entlangzieht. Oben weht eine frische Brise, und die gesamte Lübecker Bucht liegt einem zu Füßen.
Platz 5: Elmshorn, Schleswig-Holstein
Den fünften Platz belegt Elmshorn mit 44 Punkten. Damit sind die ersten fünf Ränge komplett in schleswig-holsteinischer Hand. Die Stadt an der Krückau kommt im Winter auf 291 Sonnenstunden und 61 Tage ohne Sonne, bei der Globalstrahlung erreicht sie 132,29 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Zur Elbe hin wird die Landschaft flach, und der Horizont bleibt weit. Die Wege entlang des Flusses reichen bis an den Strom und laden auch bei trübem Wetter zu ausgedehnten Radtouren ein. Für eine Portion Tageslicht zwischendurch bietet sich der Krückauwanderweg an, der gleich am Bahnhof beginnt und durch Steindammpark und Krückaupark am Fluss entlang ins Grüne führt.
Auf der Sonnenseite: Das Podest der hellsten Städte
Platz 1: Kempten (Allgäu), Bayern
Gold geht ins Allgäu. Kempten sammelt 703 von 712 möglichen Punkten und liegt bei Sonnenstunden und Globalstrahlung ganz vorn. 495 Stunden scheint hier im Winter die Sonne, das sind knapp 3,3 Stunden pro Tag und fast doppelt so viel wie in Flensburg. Nur an 36,4 Tagen bleibt der Himmel ganz ohne Sonnenminute. Dass Kempten so gut abschneidet, hat mit der Lage am Alpenrand zu tun. Auf rund 680 Metern liegt die Stadt deutlich höher als die Städte im Norden. Auch der Föhn, der im Alpenvorland immer wieder für klare Sicht sorgt, dürfte eine Rolle spielen. Den weitesten Blick auf die Allgäuer Alpen bietet der Mariaberg, mit 915 Metern die höchste Erhebung im Stadtgebiet.
Platz 2: Villingen-Schwenningen, Baden-Württemberg
Silber schnappt sich Villingen-Schwenningen mit 701 Punkten, nur zwei Zähler hinter dem Spitzenreiter. In keiner anderen Stadt des Rankings gibt es so wenige komplett graue Tage, im Schnitt sind es im Winter nur 33,9. Dazu kommen 443 Sonnenstunden, und auch die Globalstrahlung liegt mit 214,79 Kilowattstunden pro Quadratmeter weit oben. Die Höhenlage dürfte dabei helfen. Die Doppelstadt liegt auf der Hochebene der Baar in 650 bis 1.000 Metern Höhe und damit höher als viele Städte im Tiefland, wo sich im Winter gern Nebel und Hochnebel halten. Im Naturschutzgebiet Schwenninger Moos entspringt der Neckar. Wer zur Quelle wandert, hat gute Chancen auf ein paar Stunden Wintersonne.
Platz 3 (geteilt): Lörrach, Baden-Württemberg, und München, Bayern
Bronze teilen sich zwei Städte mit jeweils 684 Punkten.
Lörrach hat das längste Tageslicht aller untersuchten Städte, denn keine Stadt im Ranking liegt weiter südlich. Von Oktober bis Februar ist es hier im Schnitt 9 Stunden und 33 Minuten hell, 48 Minuten länger als in Flensburg. Über die fünf Wintermonate summiert sich dieser Vorsprung auf rund 121 Stunden, also mehr als fünf volle Tage. Mit 427 Sonnenstunden und 39 Tagen ohne Sonne gehört die Stadt auch in den übrigen Kategorien zur Spitzengruppe. Den weitesten Blick bietet die Burg Rötteln. Bei klarer Sicht reicht er über die Rheinebene bis zu den Alpen.
München ist mit 468 Sonnenstunden die hellste Großstadt Deutschlands. Die Globalstrahlung erreicht hier 221,88 Kilowattstunden pro Quadratmeter und damit den dritthöchsten Wert im Ranking. Nur an 40,1 Wintertagen fehlt die Sonne ganz, und selbst der trübste der zehn Winter brachte 402 Sonnenstunden, der höchste Tiefstwert aller Städte. Im Vergleich zu Hamburg, der dunkelsten Metropole, scheint die Sonne in der bayerischen Landeshauptstadt im Winter rund 176 Stunden länger. Dazu tragen die Lage im Süden und die Nähe zu den Alpen bei. Weht Föhn, wird der Himmel besonders klar, und die Berge wirken zum Greifen nah. Einen guten Blick auf die Bergkette bietet der Olympiaberg, von dem die Sicht an klaren Tagen bis weit in die Bayerischen Alpen reicht.
Gesamtranking der dunkelsten Städte Deutschlands
Das sind die dunkelsten Städte Deutschlands (dunkelste Stadt oben)
Gesamtübersicht der dunkelsten Städte Deutschlands
Gesund durch die dunkle Zeit: Licht tanken gegen den Winterblues
Im Winter hilft es überall, Tageslicht bewusst in den Alltag einzuplanen, in Flensburg ebenso wie in Kempten. Licht steuert die Bildung von Melatonin und Serotonin. Bei Dunkelheit schüttet der Körper mehr vom Schlafhormon aus, während der Spiegel des stimmungsaufhellenden Serotonins sinkt. Müdigkeit und Heißhunger auf Süßes können die Folge sein. Schon ein Spaziergang in der Mittagspause gleicht einiges aus: Selbst ein grauer Himmel liefert draußen mehrere tausend Lux. Wer morgens kaum ins Helle kommt, kann eine Tageslichtlampe nutzen. Bei einer Lichtstärke von 10.000 Lux genügen in der Regel etwa 20 bis 30 Minuten am Morgen. Auf den empfohlenen Sitzabstand und die Angaben des Herstellers sollte man dabei achten. Ob ein Vitamin-D-Präparat sinnvoll ist, zeigt ein Bluttest. Wer sich über Wochen antriebslos fühlt, sollte das ärztlich abklären lassen.
Methodik
Für das Ranking der dunkelsten Städte Deutschlands hat Fit Reisen die Lichtverhältnisse in den 200 größten Groß- und Mittelstädten (Einwohnerstand 31.12.2025) in den Wintermonaten Oktober bis Februar untersucht. Grundlage sind vier Kategorien: die durchschnittliche Zahl der Sonnenstunden und die Globalstrahlung in Kilowattstunden pro Quadratmeter über die zehn Winter 2016/17 bis 2025/26 (Rasterdaten des Deutschen Wetterdienstes im 1-Kilometer-Raster, gemittelt über die neun Rasterzellen rund um das Stadtzentrum), die durchschnittliche Tageslichtdauer zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang sowie die durchschnittliche Zahl der Tage ohne eine einzige Sonnenminute, gemessen an der nächstgelegenen Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes mit Sonnenscheinmessung im Umkreis von 30 Kilometern. Bei den Tagen ohne Sonne flossen nur vollständig aufgezeichnete Winter ein (mindestens 145 gültige Tage), je nach Station 7 bis 10 Winter. Nicht berücksichtigt wurden 16 Städte ohne Wetterstation mit Sonnenscheinmessung im Umkreis von 30 Kilometern sowie sechs Städte, deren nächste Station mehr als 300 Meter höher liegt als die Stadt selbst. In die Auswertung flossen damit 178 der 200 Städte ein. In jeder Kategorie wurden bis zu 178 Punkte vergeben. Die hellste Stadt erhielt 178 Punkte, die dunkelste einen Punkt. Bei gleichem (gerundetem) Wert teilen sich Städte die Punktzahl, die folgende Punktzahl wird übersprungen. Die Summe aus allen vier Kategorien (maximal 712 Punkte) ergibt die Platzierung. Die Stadt mit den wenigsten Punkten steht als dunkelste Stadt Deutschlands auf Platz 1. Die Daten des Deutschen Wetterdienstes wurden am 21. Oktober 2026 abgerufen.
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