Erholung im Alltag

im Kurzinterview mit Prof. Dr. Dirk Lehr

Vier Fragen zum Thema Erholung im Alltag


1. Prof. Lehr, Stress hat einen schlechten Ruf, zu Recht?

Nein, nicht unbedingt. Wenn Stress punktuell und kurzzeitig ist, dann kann er uns zu Höchstleistungen beflügeln. Dieser ist Stress macht das Leben interessant und lässt uns an Herausforderungen wachsen. Eine gesundheitliche Gefahr geht von Stress dann aus, wenn er chronisch ist. Nehmen Sie den Sport: Hier gehört  Regeneration zum Training dazu und ist kein Luxusgut ist, das man sich erst gönnt, wenn die „Arbeit“ vollständig erledigt ist. Solange sich Anspannung und Entspannung abwechseln ist aus gesundheitlicher Perspektive alles in Ordnung. 

2. Wer ist von chronischem Stress betroffen?

Von dem gesundheitsschädlichen Stress sind Berufstätige betroffen, deren Pensum für einen 24 Stunden Tag einfach zu umfangreich ist. Vielleicht kommt noch die Sorge um den Arbeitsplatz hinzu. Besonders schädlich ist, wenn Einzelbeispiele von Menschen, die angeblich nur 4 Stunden Schlaf zu Erholung brauchen, zum leuchtenden Vorbild erhoben werden. „Erholung“ muss einen Wert für sich darstellen und es muss ausreichend Zeit dafür vorhanden sein. Damit der Körper entspannen kann, braucht zuerst der Kopf Zeit. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die Gedanken an das Unfertige und Schwierige in der Arbeit zur Ruhe kommen. Gelingt das nicht, dann entwickeln sich chronischer Stress und Erschöpfungszustände.

3. Welches sind die ersten Erkenntnisse aus Ihrer Studie?

In der Studie gehen wir der Frage nach, ob die Holidaily App gestresste Berufstätige dabei unterstützen kann, dass der Erholungseffekt des Urlaubs nachhaltiger wird. Wir beobachten bei den Nutzern der Holidaily App eine positive Entwicklung. Normalerweise kehren nach dem Urlaub chronischer Stress und Erschöpfungszustände unmittelbar zurück. Bei den Holidaily Nutzern sehen wir aber, dass es ihnen gelingt, die Erholung aus dem Urlaub länger mit in den Alltag zu nehmen. 

4. Welche Tipps geben Sie Berufstätigen, damit Erholung gelingen kann?  

Der erste Tipp wäre, Urlaub nicht als Erholung auf Vorrat anzusehen, sondern als den Auftakt, um Erholung langfristig in den Alltag zu bringen. Urlaub kann man nutzen, um Erholungsaktivitäten auszuprobieren und sich inspirieren zu lassen. Vielleicht hatte man schon vergessen, wie angenehm ein Spaziergang oder Radfahren sein kann oder ist überrascht, wie viel Spaß man beim Klettern hat. Dann braucht es den Entschluss, solche (Urlaubs)Aktivitäten in den Alltag einzubauen. Der nächste Schritt ist dann die konkrete Planung, wann die Zeit dafür sein soll. Außerdem braucht es etwas Kreativität, wie man den sonnigen Urlaubskletterfelsen am Meer in die Kletterhalle im Industriegebiet um die Ecke übersetzt, so dass dort ein bisschen Urlaub im Alltag entsteht. Das ist zugleich die Idee der Holidaily App.

Prof. Dr. Dirk Lehr

Dirk Lehr ist Professor für Gesundheitspsychologie und Angewandte Biologische Psychologie am Institut für Psychologie der Leuphana Universität Lüneburg. Ein Arbeitsschwerpunkt liegt in der Untersuchung von gesundheitlichen Auswirkungen von Erholung nach beruflicher Belastung und der Förderung von Erholungsverhalten. Dazu forscht er unter anderem zu Online-Gesundheitstrainings wie der Holidaily-App für chronisch gestresste Berufstätige.